Strompreis verstehen

Dunkelflauten seit 2018: wann, wie lang, wie teuer

Eine Dunkelflaute ist eine Wetterlage, in der es tagelang kaum Wind gibt und die Sonne wenig scheint. Seit Oktober 2018 finden wir in den Daten 22 solcher Phasen, alle begannen zwischen November und Februar. In den vollen Jahren 2019 bis 2025 waren es im Schnitt 3,0 im Jahr. Die längste dauerte 113 Stunden, vom 8. bis 13. Dezember 2022. Am teuersten wurde es am 12. Dezember 2024, 17-18 Uhr: 93,6 ct/kWh an der Börse (936 €/MWh).

Was ist eine Dunkelflaute?

Eine amtliche Definition gibt es nicht. Wir zählen eine Dunkelflaute, wenn Wind und Sonne mindestens 48 Stunden lang im Schnitt weniger als 10 % des Stromverbrauchs in Deutschland decken. An gewöhnlichen Tagen ist es je nach Jahr ein Drittel bis fast die Hälfte.

Der Deutsche Wetterdienst misst anders: an der installierten Leistung. Er spricht von einer Dunkelflaute, wenn Wind- und Solaranlagen 48 Stunden lang weniger als 10 % ihrer Leistung liefern, und kam für die Jahre 1995 bis 2015 auf etwa zwei im Jahr. Seitdem hat sich die Solarleistung mehr als verdoppelt. Sie liefert im Winter fast nichts, deshalb würde dieser Maßstab jedes Jahr lockerer, ohne dass sich das Wetter ändert. Der Verbrauch ist das, was die übrigen Kraftwerke decken müssen, und er bestimmt den Preis. Darum messen wir daran. Fällt eine Dunkelflaute in eine Kältewelle, spricht man von einer kalten Dunkelflaute: Dann ist auch der Verbrauch hoch.

Alle Dunkelflauten seit 2018

Dunkelflauten in Deutschland seit Oktober 2018, die neueste zuerst. Preise in ct/kWh an der Börse; Kosten des Beispielhaushalts an den ganzen Tagen der Dunkelflaute
ZeitraumDauerWind und SonneBörsenpreis im SchnittTeuerste StundeDynamisch, ohne SteuerungDynamisch, mit Steuerung und SpeicherFestpreis
66 h7,2 %10,717,9 (07.11.2025, 17 Uhr)29 €28 €24 €
48 h8,3 %15,629,9 (14.02.2025, 17 Uhr)27 €26 €19 €
53 h9,3 %12,315,8 (27.12.2024, 18 Uhr)30 €29 €24 €
69 h6,3 %28,593,6 (12.12.2024, 17 Uhr)57 €47 €31 €
55 h3,7 %20,982,0 (06.11.2024, 17 Uhr)28 €24 €18 €
68 h5,9 %14,926,1 (30.11.2023, 17 Uhr)29 €28 €22 €
85 h8,2 %19,327,0 (23.01.2023, 9 Uhr)48 €47 €31 €
113 h8,4 %38,158,8 (12.12.2022, 17 Uhr)114 €108 €47 €
68 h7,7 %39,650,4 (30.11.2022, 17 Uhr)64 €60 €27 €
51 h9,6 %42,762,0 (21.12.2021, 17 Uhr)58 €53 €23 €
48 h7,0 %23,430,1 (16.11.2021, 17 Uhr)29 €28 €18 €
48 h9,8 %19,429,5 (10.11.2021, 17 Uhr)27 €26 €18 €
68 h8,0 %7,111,1 (08.01.2021, 9 Uhr)33 €32 €32 €
48 h8,8 %5,06,3 (02.01.2021, 18 Uhr)22 €22 €24 €
64 h7,8 %7,211,4 (09.12.2020, 17 Uhr)24 €24 €24 €
48 h9,8 %6,511,1 (02.12.2020, 17 Uhr)23 €22 €23 €
48 h8,1 %6,011,0 (26.11.2020, 17 Uhr)17 €17 €18 €
67 h7,8 %4,78,0 (10.11.2020, 17 Uhr)16 €16 €18 €
48 h9,3 %4,96,4 (25.11.2019, 17 Uhr)17 €17 €18 €
48 h5,8 %5,38,0 (19.11.2019, 17 Uhr)17 €17 €18 €
52 h5,9 %8,212,2 (24.01.2019, 18 Uhr)25 €24 €24 €
65 h9,2 %7,012,8 (22.11.2018, 17 Uhr)25 €24 €24 €

Wie oft gibt es Dunkelflauten?

Dunkelflauten je Jahr
JahrAnzahlStunden
2018165
20193148
20205275
20214215
20222181
20232153
20243177
20252114
2026 (bis heute)00

Dunkelflauten sind ein Winterthema: Im Sommer liefert die Sonne selbst bei Windstille genug, dass die Schwelle nicht erreicht wird. Seit 2022 sind es weniger geworden. Das liegt auch daran, dass mehr Windräder stehen: Dieselbe Flaute erreicht heute seltener die 10-Prozent-Marke. Für einen belastbaren Trend sind 7 volle Jahre allerdings wenig; ein einzelner windarmer Winter verschiebt das Bild. 2018 zählt erst ab Oktober, das laufende Jahr nur bis heute.

Was eine Dunkelflaute mit dem Strompreis macht

Fehlen Wind und Sonne, decken Gas- und Kohlekraftwerke, Biomasse, Wasserkraft und Importe den Verbrauch. An der Börse setzt das teuerste Kraftwerk, das gerade noch gebraucht wird, den Preis für alle (so entsteht der Preis). In einer Dunkelflaute ist das stundenlang ein Gaskraftwerk, am Abend, wenn der Verbrauch am höchsten ist, oft ein altes und teures. Wie hoch der Preis steigt, hängt deshalb vor allem am Gaspreis: 2019 und 2020 blieben Dunkelflauten fast unbemerkt, 2022 lag der Preis in ihnen tagelang über 30 ct/kWh.

Die Versorgung ist dabei nicht in Gefahr. Die Kraftwerke und Leitungen ins Ausland sind für solche Tage da; sie werden nur teuer bezahlt. Das Gegenteil, zu viel Wind und Sonne, zeigt Negative Strompreise.

Dunkelflaute mit dynamischem Stromtarif: was sie kostet

Mit einem dynamischen Tarif zahlen Sie jede Stunde den Börsenpreis plus einen festen Block aus Netzentgelt, Steuern und Umlagen, heute rund 19,5 ct/kWh. In einer Dunkelflaute ist der Börsenanteil tagelang hoch. Das ist die teure Seite dieses Tarifs.

Unser Beispielhaushalt: ein Einfamilienhaus mit 3 Personen, 3.500 kWh Haushaltsstrom und 4.500 kWh für die Wärmepumpe im Jahr, 8 kWp auf dem Dach und ein Speicher mit 10 kWh. Wir rechnen ihn mit dem Modell des Tarif-Checks durch jede Dunkelflaute, mit den heutigen Abgaben und einem Festpreis von 27 ct/kWh zum Vergleich.

Am teuersten war für ihn die Dunkelflaute vom 8. bis 13. Dezember 2022. An diesen 6 Tagen hätte er ohne Steuerung 114 € für Strom bezahlt, mit Festpreis 47 €. Das Dach lieferte in der Zeit 37 kWh, der Haushalt brauchte 212. In 16 von 22 Dunkelflauten wäre der Festpreis günstiger gewesen, vor allem seit 2021; in den Jahren davor war Strom an der Börse auch ohne Wind billig.

Was Speicher und Steuerung ausrichten

Auch in einer Dunkelflaute ist nicht jede Stunde gleich teuer. Nachts und am frühen Nachmittag liegt der Preis meist deutlich unter dem am Abend. Ein Energiemanager nutzt das: Er lädt den Speicher in den günstigen Stunden aus dem Netz und entlädt ihn am Abend, lässt die Wärmepumpe vorher etwas mehr heizen und legt Waschmaschine und Auto in die Nacht. Er kennt dafür die Börsenpreise bis zum nächsten Tag, mehr nicht.

Am meisten bringt das, wenn der Preis am Abend steil nach oben geht. In der Dunkelflaute vom 10. bis 13. Dezember 2024 senkt es die Stromkosten unseres Beispielhaushalts von 57 € auf 47 €, um 16 %, den Verschleiß des Speichers schon abgezogen. Im Dezember 2022, als Strom tagelang gleichmäßig teuer war, sind es nur 6 € von 114 € oder 5 %. Über alle 22 Dunkelflauten zusammen spart die Steuerung 40 €.

Das ist spürbar, aber es verhindert die Mehrkosten nicht. Ein Speicher mit 10 kWh trägt einen Abend, keine drei Tage. Die Solaranlage liefert im Dezember kaum etwas, also muss der Speicher aus dem Netz laden, und dieser Strom ist in einer Dunkelflaute ebenfalls teuer. Wenn jede Stunde teuer ist, bringt das Verschieben wenig. Steuerung nimmt die Spitzen am Abend, das höhere Preisniveau der ganzen Phase bleibt.

Ob sich ein dynamischer Tarif trotzdem lohnt, entscheidet nicht die eine Woche im Dezember, sondern das ganze Jahr mit seinen vielen günstigen Stunden. Das rechnet der Tarif-Check mit Ihren Geräten aus. Wann Strom im Tagesverlauf meist günstig ist, zeigt Wann ist Strom günstig?.

Kann man eine Dunkelflaute kommen sehen?

Ja, einige Tage vorher: Wetterdienste sehen ruhige, trübe Hochdrucklagen früh. Die Börsenpreise für den nächsten Tag stehen jeden Mittag gegen 13 Uhr fest. Ab dann zeigt Strompreis morgen, welche Stunden teuer werden. Wer den Speicher am Tag davor voll hat und große Verbraucher aus dem Abend nimmt, ist am besten vorbereitet.

Daten und Methode

Grundlage sind die stündlichen Werte von SMARD.de (Bundesnetzagentur) seit Oktober 2018: Wind an Land und auf See, Solar und der Stromverbrauch (Netzlast) in Deutschland, dazu der Day-Ahead-Preis für Deutschland und Luxemburg. Jedes Zeitfenster von 48 Stunden, in dem Wind und Sonne zusammen weniger als 10 % des Verbrauchs deckten, gehört zu einer Dunkelflaute; überlappende Fenster verschmelzen, die Ränder kürzen wir, bis auch die ganze Phase unter der Schwelle liegt. Gezählt werden nur vergangene Stunden, keine Prognosen.

Warum erst ab Oktober 2018: Seit dem 1. Oktober 2018 bilden Deutschland und Luxemburg eine eigene Preiszone. Vorher wurde gemeinsam mit Österreich gehandelt, die Börsenpreise davor sind deshalb nicht direkt vergleichbar, und die ganze Seite beginnt mit dieser Zone. Wind, Sonne und Verbrauch veröffentlicht SMARD auch für die Jahre ab 2015.

Der Beispielhaushalt läuft durch die ganzen Kalendertage der Phase. Verglichen werden nur die Kosten für Strom, ohne Grundgebühren, mit den Abgaben und Netzentgelten von heute, nicht denen des jeweiligen Jahres. Die Wärmepumpe verbraucht, was im Monat im Schnitt anfällt; in einer kalten Dunkelflaute ist es mehr. Der Speicher startet leer und lädt aus dem Netz nur so weit, wie die Preise schon bekannt sind. Das ist ein Rückblick, keine Vorhersage.