Negative Strompreise: wann, wie oft, warum
An der Strombörse kann der Preis unter null fallen: Wer dann Strom abnimmt, bekommt Geld dafür. Im Jahr 2026 war das bisher 452 Stunden an 84 Tagen der Fall, seit Oktober 2018 insgesamt 2.530 Stunden. Die Daten sind die Day-Ahead-Preise für Deutschland und Luxemburg der Bundesnetzagentur (SMARD.de).
Warum der Preis unter null fällt
An sonnigen, windigen Tagen mit wenig Verbrauch, typisch an Wochenenden und Feiertagen im Frühling und Sommer, liefern Wind und Sonne zeitweise mehr Strom, als gerade gebraucht wird. Ein Teil dieses Stroms lässt sich nicht so einfach abstellen: Ältere Anlagen bekommen ihre Vergütung unabhängig vom Börsenpreis, und manche Kraftwerke laufen weiter, weil sie Wärme liefern müssen oder ein Herunterfahren teurer wäre als ein paar Stunden Zuzahlen.
Wenn dann auch die Leitungen ins Ausland voll sind und die Speicher geladen, bleibt nur ein Weg, das Netz im Gleichgewicht zu halten: Der Preis fällt so weit, bis sich für jemanden das Abnehmen lohnt. Das sind Pumpspeicher, große Batterien, Elektrolyseure, Industrieanlagen, und im Ausland alle, die noch Leitungskapazität bekommen. Sie erhalten in diesen Stunden Geld dafür, dass sie Strom verbrauchen.
Für Haushalte mit dynamischem Tarif zählt nur der Börsenanteil. Netzentgelte, Steuern und Umlagen bleiben in diesen Stunden bestehen, deshalb ist der Strom aus der Steckdose dann sehr günstig, aber selten kostenlos. Wie sich der Endpreis zusammensetzt, zeigt der Tarifrechner.
Negative Stunden je Jahr
| Jahr | Stunden | Tage | Längste Folge | Tiefster Preis | Erste | Letzte |
|---|---|---|---|---|---|---|
| 2018 | 27 | 7 | 9 Stunden ab 09.12.2018 | -1,9 ct/kWh am 30.12.2018 | 03.10.2018 | 30.12.2018 |
| 2019 | 211 | 39 | 19 Stunden ab 08.06.2019 | -9,0 ct/kWh am 08.06.2019 | 01.01.2019 | 24.12.2019 |
| 2020 | 298 | 51 | 22 Stunden ab 16.02.2020 | -8,4 ct/kWh am 21.04.2020 | 31.01.2020 | 27.12.2020 |
| 2021 | 139 | 24 | 17 Stunden ab 05.04.2021 | -6,9 ct/kWh am 22.05.2021 | 07.02.2021 | 31.12.2021 |
| 2022 | 69 | 12 | 8 Stunden ab 31.12.2022 | -1,9 ct/kWh am 20.03.2022 | 03.01.2022 | 31.12.2022 |
| 2023 | 301 | 46 | 36 Stunden ab 24.12.2023 | -50,0 ct/kWh am 02.07.2023 | 01.01.2023 | 31.12.2023 |
| 2024 | 457 | 88 | 18 Stunden ab 07.07.2024 | -13,5 ct/kWh am 12.05.2024 | 01.01.2024 | 22.12.2024 |
| 2025 | 576 | 103 | 20 Stunden ab 04.10.2025 | -25,0 ct/kWh am 11.05.2025 | 01.01.2025 | 30.10.2025 |
| 2026 | 452 | 84 | 18 Stunden ab 05.04.2026 | -49,9 ct/kWh am 01.05.2026 | 01.01.2026 | 12.09.2026 |
2018 zählt nur ab Oktober, das laufende Jahr nur bis heute.
Zu welcher Tageszeit
Negative Preise sind fast immer Mittagspreise, weil die Sonne den Überschuss bringt. Am häufigsten trifft es die Stunden ab 12, 13 und 14 Uhr: zusammen 1.002 der 2.530 negativen Stunden seit 2018. Zwischen 10 und 17 Uhr liegen 72 % aller negativen Stunden; nachts passiert es nur bei viel Wind und wenig Verbrauch, etwa an Feiertagen.
Was Sie damit anfangen können
Mit einem dynamischen Stromtarif zahlen Sie den Börsenpreis jeder Stunde plus die festen Bestandteile. Wer Wärmepumpe, Auto oder Waschmaschine in die günstigen Stunden legt, spart an solchen Tagen am meisten. Wann Strom im Tagesverlauf üblicherweise günstig ist, zeigt Wann ist Strom am günstigsten?; was am Ende auf der Rechnung steht, der Tarifrechner.
In den letzten 30 Tagen
In den letzten 30 Tagen lag der Preis in 49 Stunden an 9 Tagen unter null. Zum Börsenstrompreis von heute